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Yogis let's dip

Kumbha Mela – Ida Pingula und Susumna

Yoga Aktuell April 2013 'Yogis let's dip'

Yogis let's dip
Kumbha Mela Festival

 

Allahabad (Indien), Henning und Eva Moog Januar/Februar 2013

'Did you take a Dip?' werden wir mindestens 10 mal täglich gefragt. Das Dipping, das Eintauchen, hat auf der Kumbh Mela oberste Priorität. Denn das Ziel der Kumbh Pilgerer ist das rituelle Bad im Triveni Sangam, die Konfluenz der drei heiligsten Flüsse Indiens in Allahabad: Ganges, Yamuna und der mystische, geheimnisvolle Saraswati. Sie wollen sich von ihren Sünden befreien und Unsterblichkeit erlangen. Mit dem ersten Bad wird jegliche Negativität ausgespült, das zweite Bad ist göttlich und führt in einen ekstatischen Zustand. So jedenfalls erlebt dies Avijit, Manager des Kumbh Cottage Camps.

 

Die Reinigung durch das rituelle Bad ist der Weg zur Unsterblichkeit,

das Auflösen der sich endlos wiederholenden karmischen Muster, in denen wir uns permanent bewegen. Für Yogis und Yoginis ist die Verbindung zur Unsterblichkeit das Einswerden mit dem Selbst, dem innersten, göttlichen Kern, unsterblich und unendlich. Durch Asana Praxis, Pranayama und Meditation wird der Körper durchlässiger, so dass das Selbst mehr und mehr durchscheinen kann. Durch das Öffnen des yogischen Körpers werden wir rezeptiver, können die Dinge auf uns zukommen lassen, aufnehmen und zulassen. Unsere eigene Vorstellungen, Ziele, Wünsche und die äußere Welt kommen in Einklang und damit in den Flow. Anstatt in gestresster Multi-tasking Gewohnheit mit gehetztem Gefühl die nächsten Deadline Termin einzuhalten, entwickelt sich ein eigener, innerer Rhythmus. Das Gefühl von Bliss, von permanenter innerer Freude ohne äußeren Grund, wird mehr und mehr zum Dauerzustand. Dieser Bliss-Flow wird tradtionell in Indien als Amrita bezeichnet.

Das ist der göttliche Nektar, auf den es die Yogis abgesehen haben. Das, was Yogis intern praktizieren, um Amrita fließen zu lassen, nämlich die energetische Reinigung durch Asana und Pranayama, Aufladung und das Einswerden mit dem ewigen Selbst durch Meditation, geschieht auf der Kumbh Mela extern, symbolisch und als Praxis von Millionen Pilgerern durch Snana, dem Eintauchen im Trivini Sangam.

 

Saraswati: Die sterbende Göttin?

Für den Europäer und somit auch für uns, kostet das Baden in indischen Flüssen ein gewisses Maß an Überwindung. Die Umweltverschmutzung in Indien ist immens, die Flüsse sind schwer belastet. Fäkalien, industrielle Abwässer, Pestizidrückstände, Schwermetalleinleitungen, tote Körper von Mensch und Tier verursachen eine bedenkliche Wasserkontaminierung. Einige Flußgebiete übersteigen den WHO Standard an fäkalen Bakterien für ein sicheres Bad um das 4000 fache, der Ganges in Varanasi sogar um das10000 fache.

Der 1.370 Kilometer durchs Land strömende Yamuna Fluß läuft 22 km durch Delhi, wo 80 Prozent der Verschmutzung des Flusses verursacht werden. Trotz aller Heiligkeit der Flüsse und ihr Stand als Göttinnen, gibt es akute Warnungen, daß diese an der Verschmutzung sterben – obwohl die indische Regierung bereits 1985 den Ganga Action Plan (GAP) ins Leben rief. Millarden Dollar zur Rettung des Flusses sind seither spurlos verschwunden, haben ihr Ziel nicht erreicht.

Im Triveni in Allahabad, wo der Yamuna auf den Ganges trifft, sieht das Wasser dennoch relativ klar aus und wir entdecken sogar kleine Fische. Ein gutes Zeichen. Aber selbst unser Ayurveda Arzt aus Varanasi Dr. Pramod Kumar meint, er würde nur in Rishikesh oder noch weiter an der Quelle in den Himalayas baden. Wir sind zwischen Vernunft und Dipping-Euphorie hin- und hergerissen.

Es gibt Stimmen in verschiedenen indischen Ashrams, die behaupten sogar, der Yamuna und Ganges seien gar nicht verschmutzt. Und Millionen von Menschen tauchen bedenkenlos ins Wasser, ohne Schaden zu nehmen wie es scheint.Grenzt das an spiritueller Verblendung oder ist unser yogischer Blickwinkel einfach zu eng?

 

Der mytische Hintergrund – Das Rühren des Milchozeans

Die Maha Kumbh Mela bedeutet soviel wie das Fest des göttlichen Nektars, des Amritas. Wann genau sie entstanden ist und wer sie ins Leben gerufen hat, weiß niemand. Sie soll in vorgeschichtlichen Zeiten entstanden sein und entstammt dem Mythos des im Milchozean verborgenen Kelches mit dem Nektar der Unsterblichkeit, dem Amrita. Götter wie Dämonen begehrten gleichermaßen diesen Trunk und sie beschlossen, mit vereinten Kräften an ihr Ziel zu gelangen. Sogar der seit jeher bestehende Kampf zwischen den Parteien wurde zu diesem Zweck beigelegt. Kurzerhand wurde der Berg Meru als Rührstab benutzt, Vasuki, die kosmische Schlange, um ihn herum gewickelt. An der Kopfseite begannen die Götter, an der Schwanzseite die Dämonen mit dem Quirlen des Milchozeans, bis schliesslich der Gott Danwantari mit dem Amritakelch aus den Milchfluten emportauchte. Allerdings war damit auch augenblicklich der Friede zwischen Göttern und Dämonen dahin. Kaum war das Amrita in Sichtweite, flammte der alte Streit wieder auf. Es begann eine wilde Hatz über die Erde und durch den Himmel, mal hatte die eine Partei, mal die andere das kostbare Gut in den Händen. Als dieses gerade von den Göttern in Sicherheit gebracht werden sollte, fielen auf der Flucht vor den Dämonen vier Tropfen auf die Erde. Diese Stellen sind die Orte der in Zyklen und seit Urzeiten stattfindenen Kumbh Mela: Allahabad, Haridwar, Ujjaina und Nasik.

 Kumbha Mela

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Die Dekodierung des Amrita – bhakti & jnana

Chaitanya Swamiji, ein hochstehender Repräsentant des Satcha Baba Ashrams in Allahabad gibt uns in einem Interview (dass er uns freundlicherweise kurz vor seinem Meeting mit dem Ministerpräsidenen von Utthar Pradesh gibt), eine Erklärung der Wirksamkeit des Bades. Chaitanya steht im regen Austausch mit Wissenschaftlern in Europa und er hält regelmäßig universitäre Referenden zum Thema Wissenschaft und Spiritualität. Demnach ist das Wasser Träger bestimmter energetischen Informationen, die sich seit Jahrtausenden nicht verändert haben sollen. Auf molekularer Ebene besitzt es den „Unsterblichkeitscode“ des mythischen Amritas, dem Nektar der Unsterblichkeit. Dieser wird während der Zeit der Kumbh Mela dekodiert, ausgelöst durch bestimmte astronomische Sternenkonstellationen. Durch das Dipping im Wasser kann diese dekodierte Information über die Haut aufgenommen werden. Und genau dies beabsichtigen die Pilgerer: das Eintauchen in die Unsterblichkeit, nicht nur symbolisch, sondern real in den Flüssen während der Kumbh Mela.

Mikro- und Makrokosmos – Jad Brahmande tat vinde

Egal wo wir entlang gehen, überall strahlende und lachende Gesichter. Zu jeder Tages- und Nachtzeit tauchen die Menschen in die Flüsse, um sich zu reinigen und Opfergaben darzubringen oder in Berührung mit der Unsterblichkeit zu kommen. Im Triveni Sangam soll die spirituelle Energie am stärksten sein. Der genaue Zeitpunkt der Kumbh Mela wird durch exakte astronomische Berechnungen und Sternenkonstellationen bestimmt.

In genau dieser Zeit wird der mythische Amrita reaktiv und sorgt für die Harmonisierung zwischen Mensch und Kosmos. In den Veden, Upanishaden, den Tantras und im Hatha Yoga steht die Harmonisierung zwischen Mensch und Universum, Mikro- und Makrokosmos im Mittelpunkt. Im Hatha Yoga sind es Sonne und Mond, die in Balance gebracht werden. “Which is in the the Kosmos that is in our bodies” – Jad Brahmande tat vinde- so Dr. Vagi Shastri, ein 79 jähriger Sanskrit Professor und Tantrayogi aus Varanasi.

Den Zusammenhang zwischen Körper und Kosmos vermittelt er uns anhand vom externen Triveni Sangam in Allahabad, den wichtigsten Ort der Maha Kumbh Mela und dem internen yogischen Energiekörper. Demnach existieren Flüsse in der äußeren Welt und ebenso in der inneren Welt als nadis (Energiekanäle). Der Fluss Yamuna wird mit dem Pingala Nadi, Sonne und Hitze assoziiert. Der Fluss Ganges entspricht Ida Nadi. Mond und Kühle werden mit ihm in Verbindung gebracht. Wir sind stets zwischen diesen cialis 100 mg beiden Polen unterwegs. Üblicherweise spürbar durch schwankende Stimmungen und Gefühlslagen sowie unserem umherschweifendem Geist mit seinen unaufhörlichen Gedankenströmen.

Der mystische und geheime Fluss Saraswati entspricht in diesem yogischen Energiekonzept dem Sushumna, dem mittleren Energiekanal in der Wirbelsäule. Er ist es, den es im körperlichen Yoga zu entdecken gilt und der zum Fließen gebracht werden soll. Dadurch öffnet sich der energetische Körper und der Yogi kommt in den Genuss des Amrita. Beginnt der innere Fluss Saraswati zu fließen, dann wird das Energiezentrum in der Körpermitte aktiviert und die Kundalini Energie steigt auf. Saraswati  ist nicht nur ein Fluss und ein Nadi, sondern im indischen Pantheon auch die wundervolle Göttin der Weisheit, der Künste und vor allem des Gesangs. Die Stimme wird auf ganz natürliche Art und Weise frei. Es heisst, wenn die Kundalini Energie aktiv wird, dann erwacht die Göttin Saraswati.

 

Ida und Pingula sind aus der Nasen Wechsel Atmung bekannt. Sind sie in perfekter Balance, kann der Geist zur Ruhe kommen. Energetisch betrachtet haben Ida und Pingala ihren Ursprung in der Körpermitte, verlaufen dann zum linken und rechten Nasenloch. Kann der Yogi durch Pranayama, Bandhas und Mudras die Öffnung des mittleren Flusses Saraswati stimulieren, dann wird der vereinte Energiefluss der drei Nadis direkt nach oben bis in den Stirnraum möglich. “The Yogi takes internal bath in this point” meint Prof. Dr. Vagi Shastri. Der Zustand des inneren Flows und das Gefühl des Einsseins mit der Welt sind dann erfahrbar, der Yogi erlebt dies als Bad im Amrita. Er erlebt die Vereinigung mit dem Göttlichen, der Auflösung von Dualität und der Loslösung vom sterblichen Körper. Kurz gesagt ein ekstatischer Flow.

Das Bad im Triveni Sangam, das Eintauchen in das heilige Wasser, ist die äußere symbolische Form dieser Vereinigung und für die oft einfachen Pilgerer ihr Zugang zum Heiligen und Göttlichen.

Die Botschaft der Kumbh

“Here you can feel the real Indianess”, hören wir von einigen pilgernden Indern. Die Kumbh sei der ideale Ort, um voll und ganz in das spirituelle Gefühl Indiens einzutauchen und das ist auch der eigentliche Spirit des Yogas: Das Besondere während der Zeit der Kumbh sei das Entstehen einer starken spirituellen Energie. Jeder kommt mit einem anderen Konzept, verschiedenen Ideen und Hintergründen – nach dem Bad im Ganges entsteht mehr und mehr ein gemeinsames Feld: “After Ganga dipping they all become aligned.” Yogis aller Coleur und aus allen denkbaren Yogarichtungen bauen ihre Zelte auf: Jnana – , Bhakti -, Tantra-Yogis, Naga Sadhus und Brahmanen. Jedes Camp ist ein eigenes Universum. Im Moment des Eintauchen werden alle Konzepte und Theorien überwunden, die unterschiedlichen Wege und individuellen Erfahrungen lösen sich auf in die eine Erfahrung des Einssein im Moment des Abtauchens in die heiligen Flüsse.

Im Moment des Auftauchen scheinen alle von einer kosmischen Vibration durchdrungen zu sein und sich gemeinsam neu mit sich selbst, den anderen und dem Kosmos  ausgerichtet zu haben. Diese Erfahrung lässt die Kumbh von Tag zu Tag mehr vibrieren und wir absorbieren dies mit jeder Zelle. Mit der Zeit schwingt der ganze Körper, resoniert auf allen Ebenen und beginnt von selbst zu strahlen. Pure Transformation. Das, was alle vereint, ist das Eintauchen in die heiligen Flüsse und das Absorbieren der Reinheit purer Göttlichkeit.

Das die Kumbh Mela nicht allein ein Fest der Hindus ist, sondern alle Menschen einlädt und eine globale Botschaft einer friedlichen, kraftvollen und verbindenenden Spiritualität sendet, erklärt uns der 90 jährige Swami Gopalji Maharaj aus dem Satcha Baba Ashram in Allahabad. “The people come here and we give them love. Everybody is invited to take a bath and to join the divine energy”. Dann singt er mit der Stimme eines jungen Mannes das Gayatri Mantra, so melodiös und energetisch, dass wir ihm emotional nicht entkommen können.

Traditionell steht die Kumbh Mela für den offenen Diskurs verschiedener spiritueller Ansätze und Konzepte, aber auch gesellschaftspolitischer Themen.

 

Green Ganga Action

„Live simple so others can simply live!“ ist die Message der Kumbh Mela aus dem Ganga Action Parival Camp im Sektor 13. Poojayi Swamiji, der Initiator des Camps und Guru eines Ashrams in Rishikesh arbeitet unermüdlich an der Sensibilisierung des Umweltbewusstseins in der indischen Öffentlichkeit. Insbesondere die Rettung des Ganges steht auf seiner wehenden Fahne. Ma Ganga – Mutter Ganges – gilt als die Mutter aller Flüsse. Nicht nur auf dem indischen Subkontinent, sondern auf dem gesamten Globus. Dieser ganzheitliche Ansatz führt in ein Denken und Handeln, das den globalen Blick und das lokale Handeln mit sich bringt. Es ist ein spiritueller Ansatz, der den Ganges als lebendiges Wesen betrachtet und sämtliche Flüsse stehen in Verwandtschaft. Poojyai Swamiji setzt am Bewusstsein jedes einzelnen an. Wir verstehen seine Botschaft als Impuls, durch Yoga die Aufmerksamkeit nach Innen zu lenken, aber auch nach außen aktiv zu werden.  Darauf, die eigenen, inneren Energieflüsse rein zu halten, zum Fließen zu bringen. Fülle, Schönheit und Bliss im Inneren zu finden und damit die Chance zu haben, das unersättliche Suchen und Konsumieren im Außen zu reduzieren: Use less and live more. Die Flüsse, ob sie Ganges, Yamuna, Rhein oder Donau heißen, sind ein Körper, ein Wesen. Wir Menschen stehen mit ihnen in Verbindung, das Wasser ist unser wichtigstes Element. Jeder kann die Aufmerksamkeit auf die Flüsse und Seen lenken, die direkt vor den eigenen Augen liegen. Sich für sie und für die Mutter Natur einzusetzen, bedeutet zugleich ein Einsatz für den Fluss Ganges – so Poojayi Swamiji. Und wir beobachten, wie einige Pilgerer kleine Palmblattschiffchen mit einem brennenden Lichtern, einer Blüte und begleitet von einem gechanteten Mantra aufs Wasser setzen. Zugleich hält Poojayi 100 Meter weiter eine flammende Rede für die Rettung von Ma Ganga. Um uns herum wird ekstatisch gedippt und die Menschen tauchen gereinigt und hoch energetisiert wieder auf. Ein Mythos hat überlebt und wird weiter leben. Die Flüsse, Göttinnen, Millionen von Pilgerern, ewiger Nektar und die geballte spirituelle Kraft eines „Green Yoga“ machen es möglich. Yay Ma Ganga!

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